Moskau: Junge wegen Gedichtaufsagen festgenommen

“Im Zentrum von Moskau, im Arbatviertel, hat die Polizei einen Jungen festgenommen (unbestätigten Informationen zufolge soll er zehn Jahre alt sein). Er war mit seiner Mutter unterwegs, sie saß auf einer Bank und las ein Buch, er sagte ein Gedicht auf. Plötzlich fuhr die Polizei vor und der Junge wurde ohne Erklärungen in das Polizeiauto gesetzt. Dies teilte OWD-Info der Vater des Jungen mit.
Der Junge wurde der Mutter mit Gewalt entrissen und in das Polizeirevier Arbat gebracht (er fuhr ohne seine Eltern im Polizeiauto). Dem Vater zufolge wurde der Junge wegen Bettelns festgenommen. Der Mutter droht eine administrative Verfolgung wegen Widerstand gegen die Polizei. Dem Vater wurde gedroht, eine administative Verfolgung wegen Beleidigung der Polizei aufzunehmen.”
Mal'chika uvodjat

Quelle: OWD-Info (Original auf Russisch meine Übersetzung), ein Netzwerk, welches Polizeiwillkür, unrechtmäßige Festnahmen bei Demos u.ä. dokumentiert, Verfolgten Anwälte zur Seite stellt etc. Alleine die Tatsache, dass so eine Seite nötig ist, zeigt klar und deutlich, zum abertausendsten Mal, dass Russland ein willkürlicher und grausamer Unrechtsstaat ist. Man denkt jedes Mal, es gehe nicht schlimmer, bis ein Kind seinen Eltern auf offener Straße weggenommen und ihnen juristischen Konsequenzen gedroht wird. Bravo, das ist genau der richtige Weg: Die Menschen wie der letzte Dreck zu behandeln, als wenn die Zerschlagung aller Freiheiten und Grundrechte, das Stehlen von Milliarden aus dem Haushalt, um sich teure Villen zu bauen, das Abknallen, Vergiften mit Polonium, Verätzen mit Brilliantgrün, Verprügeln von Kritikern, das Starten einer öffentlichen Hetze und eines Krieges, welcher im ehemals nächsten und engsten Staat zehntausende von Opfern fordert, als wenn all das nicht genug wäre. Macht ruhig weiter so, aber werft zuvor vielleicht noch einen Blick ins Geschichtsbuch, wenn die Jahreszahl 17 bei euch keine Assoziationen weckt.

PS: Immer und immer wieder, die letzten drei Jahre nahezu täglich, werden meine Eltern in ihrer Entscheidung bestätigt, ihrerzeit nicht in diesem Land geblieben zu sein und mir und meiner Schwester das Aufwachsen dort erspart zu haben.
Dafür bin ich ihnen dankbar.

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