Schwules Ehepaar muss nach Anfeindungen Russland verlassen

Der Schriftsteler Wladimir Kaminer beschreibt auf seiner Facebook-Seite den neuesten Fall von Homophobie in Russland:
“In Russland wurde bis in die Neunzigerjahre Sex unter Männern als ein abartiges Verbrechen geächtet und bestraft. Dementsprechend sind gleichgeschlechtliche Ehen in Russland verboten. Gleichzeitig garantiert die russische Gesetzgebung, dass alle im Ausland geschlossenen Ehen anerkannt werden. Die Gesetzgeber haben die Tatsache verschlafen, dass Männer in vielen Ländern Europas längst untereinander heiraten dürfen. Zwei junge Russen, Pavel und Eugen, beschlossen, dieses Schlupfloch im Gesetz zu nutzen. Sie fuhren nach Dänemark, heirateten dort und ließen sich im Moskauer Standesamt die Ehe in ihre Pässe eintragen. Die Beamtin im Standesamt wunderte sich nicht einmal, dass die Braut Pavel hieß und einen Bart trug, junge Menschen von heute denken sich halt komische Namen aus. Anstatt im Stillen die Hochzeit zu feiern, hatten die Jungs im Internet angegeben, ihnen sei die erste gleichgeschlechtliche Eheschließung auf russischem Boden gelungen. Der Staat reagierte heftig, das gesamte Kollektiv des Standesamtes wurde wegen Nachlässigkeit am Arbeitsplatz entlassen, die Pässe für ungültig erklärt. Als die jungen Männer sich weigerten, die Pässe abzugeben, wurde ihre Wohnung von einer Polizeieinheit gestürmt. Vor dem Sturm wurde der Strom im Haus ausgeschaltet, ein General leitete den Angriff, als ginge es um die Beseitigung einer gefährlichen Terrorzelle. Die Pässe wurden vor Ort vernichtet, die Jungs für ledig erklärt. Sie bekamen eine Lawine von Todesdrohungen und mussten das Land verlassen. “Homo” gilt in Russland als Schimpfwort. Mein Freund, ein Filmemacher, der gerne lustige Umfragen in Moskau auf der Straße filmt, konfrontierte vor kurzem mehrere Passanten mit der Frage: „Was würden sie tun, wenn sie erführen, dass ihr bester Freund ein Homo Sapiens ist?“ Alle Befragten waren entsetzt. Ich würde ihn zu einem Arzt bringen, sagte eine Dame; ich würde sofort mit ihm Schluss machen, meinte eine andere.”

Ein ausführlicher Bericht über Ewgenij (Eugen) und Pawel findet sich auf queer.de.

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Dieser Moment, wenn die Hauptdarstellerin einer beliebten sowjetischen Rotkäppchen-Verfilmung heutzutage bei Facebook gegen LGBT (“[…] Mein verhasstestes Wort ist Toleranz: damit werden schwerwiegende politische Entscheidungen begründet und menschliche Abweichungen maskiert. […]”) und Ukrainer (“kindermordende Viecher und Abschaum”) hetzt.