Eigenarten russischer “Diplomatie”: “Dreh dich nicht weg, schau mir in die Augen!”

Die Äußerungen des Stellvertreters des russischen UN-Gesandten Safronkow vorgestern zum Kollegen aus Großbritannien haben für viel Gesprächststoff im russischen internet gesorgt. Dieser wandte sich in einer sehr rüden und, nun ja, undiplomatischen Art an seinen britischen Vorredner: “Schau mich an, dreh die Augen nicht weg, warum schaust du weg! Du hast heute Syrien, Iran, die Türkei und andere Staaten beleidigt. Herr Vorsitzender, ich bitte darauf zu achten, dass einige ungerechtfertigt, beleidigend, umgangssprschlich mit ihrem Sitz im Sicherheitsrat umgehen. Wag es nicht mehr, Russland zu beleidigen!”

Viele kritisch eingestellte Internetnutzer waren beschämt und empört über diesen Auftritt des russischen Vertreters bei der UNO. Auf die Russland und Syrien gegenüber sehr kritische, sogar scharfe, aber diplomatisch korrekte, Rede des britischen Gesandten Matthew Rycroft konnte Safronkow nur mit grober Pöbelei antworten, die bei vielen Assoziationen mit einem Gopnik weckte, einem (halb)kriminellem Jugendlichen, der sich eine vulgären Ganovenslang bedient und mit bloßem Pressing und scheinbar abgebrühtem Auftreten seine Überlegenheit beweisen will.

“Der abfällige Begriff Gopnik ist im russischen Jargon eine Bezeichnung für die Vertreter der kriminellen Jugend oder der Jugend mit kriminellem Verhalten, die oft keine Ausbildung hat und zu schwachen sozialen Schichten der Gesellschaft oder zum Prekariat gehört. […] Gopnik ist vor allem ein Lebensstil. Für diese Jugendlichen sind die Straftaten nur eine Art der Freizeitgestaltung. Straßendiebstahl und Raub dienen in der ersten Linie nicht der eigenen Bereicherung, sondern für den Spaß und die Wahrung der Autorität in der Gruppe. Für einen Gopnik ist es wichtiger seinem Opfer Angst zu machen und seine Macht und Gewalt zu zeigen. Das Geld wegzunehmen ist Schlusshandlung.” (Wikipedia)

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Leider bildet so ein Verhalten des UN-Gesandten keine Außnahme, sie ist eher die Regel im heutigen Russland: Angefangen bei Präsident Putin über den “Chef Diplomaten” Außenminister Lawrow und den “Kulturminister” Medinskij (“Alle, die diese Heldentat abstreiten sind der letzte Abschaum”) bis zu allen möglichen Ministern, Pressesprechern, Konzernbossen etc bedienen sich die Vertreter der russischen Elite immer wieder der Ausdrücke und Wendungen aus dem kriminellem Milleu wenn es um die vermeintlichen Feinde USA und ganz allgemein “den Westen” geht.
Vor diesem Hintergrund interpretiert der Journalist Dmitrij Gluchowskij die Tirade als Botschaft an die Anhänger Putins, die sie als Zeichen der Stärke und Überlegenheit Russlands deuten, was jedoch nicht stimme: “Damit versucht Russland seine Schwäche und Unsicherheit zu maskieren, seine Einsamkeit und Erschöpfung zu verbergen. Selbstbewusste Staaten haben es nicht nötig, sich einer Gossensprache zu bemächtigen und in Hysterie zu verfallen. Weder die USA, noch China, noch Großbritannien haben sich jemals so etwas erlaubt.
Russland kann wählen: Entweder arbeitet man daran, wieder zu der Großmacht zu werden, die man früher zweifellos war- oder man wird nur dafür gehalten, von Fernsehzuschauern ohne abgeschlossene mittlere Reife, mit Rothschildverschwörung im Kopf und Alkoholfahne aus dem Mund.

Das zweite ist natürlich einfacher. So machen wir es.

Safronkow for president!”