Vorgestern wurde auf dem Roten Platz die Aktionskünstlerin Katrin Nenaschewa festgenommen. Sie trug im Rahmen der Aktion “Zwischen hier und dort” eine virtual reality-Brille, in der Fotos aus russischen “psychoneurologischen Internaten” gezeigt wurden.
Der Polizist kommentierte die Festnahme mit den Worten: “Man darf sich auf einem öffentlichen Platz nicht in einer virtuellen Realität befinden. Das ist die reale Welt.”
Aber etwas positives hat die Sache: Ganz Prag braucht jetzt keine externen Energiequellen, weil Kafka in seinem Grab rotiert wie zehn Turbinen.

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Jahr für Jahr das gleiche Bild…

Heutige Festnahme eines Demonstranten auf dem Marsfeld in Sankt-Petersburg.
Der Text auf der Stele ist ein Zitat des sowjetischen Volkskommisars für Bildung Anatolij Lunatscharskij: “Vom Boden der Erniedrigung, der Not und des Unwissens bist du, Proletarier, auferstanden, dir Freiheit und Glück zu verschaffen. Du wirst die ganze Menscheit beglücken und aus der Sklaverei befreien.”
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(Quelle: Meduza, Foto von David Frenkel)

“Patriarch Kyrill I. hat am Montag bei einer Rede an der Universität im kirgisischen Bischkek die Ehe für alle mit Gesetzen aus dem Nationalsozialismus verglichen. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Demnach würde die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht in vielen westlichen Ländern gegen das “moralische Wesen des Menschen verstoßen und daher Empörung hervorrufen wie Gesetze aus Nazi-Deutschland”, so Kyrill, der seit 2009 als Patriarch von Moskau das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist.

Der 70-Jährige behauptete ferner, dass in Ländern, in denen die Ehe geöffnet wurde, die Moral generell geschwächt werde. Deshalb gebe es viele Menschen, die genauso gegen die Ehe für alle rebellierten wie gegen “faschistische Gesetze oder gegen die Apartheid”. Er orakelte, dass Gesellschaften, die Schwule und Lesben trotz der Proteste aus dem Volk gleich behandeln, zusammenbrechen würden. Er glaube aber, dass die Ehe für alle nur eine vorübergehende Erscheinung sei.” (Quelle: Queer.de)

Naja, wie das Land, so auch das Kirchenoberhaupt.
Wobei es wahrscheinlich sinnlos wäre, vom ehemaligen KGB-Offizier Gundjaew (so der weltliche Nachname Kyrills) in seinem Leben “wahre christliche” Werte wie Demut, Offenheit, Toleranz u.ä. zu erwarten. So wird ihm ein großangelegter Handel mit als “Humanitärhilfe” ausgegebenen und daher von allen Steuern befreiten Zigaretten in den 90er Jahren nachgesagt. Er nennt eine Luxusjacht plus Villa am Schwarzen Meer, ein Bergdomizil in der Schweiz, mehrere Luxuskarrossen sowie eine teure Breguet-Uhr, die einmal unglücklicherweise vor die Objektive von Journalisten geriet und kurz nach der Veröffentlichung auf der Patriarchatswebsite wegretuschiert wurde, sein Eigen.

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