“Ich würde Deutsch allein deswegen lernen, weil Putin es gesprochen hat” Pjöngjang? Nein, Moskau, 23.02.2017

Russia Has Surpassed the Soviet Union: I Would Only Learn German Because Putin Spoke It Liana Turpakova Vechorka February 24, 2017 Russian TV channels were dominated by the February 23 holiday yesterday. The topic of war and patriotism was off the scale at a concert held to mark the holiday, as broacast on Channel One. I watched […]

via Defenders of the Fatherland: Yunarmiya and the Personality Cult — The Russian Reader

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Wenn Geschichte nicht aufgearbeitet wird, wiederholt sie sich

1986 wird der Menschenrechtler Feliks Swetow vom Richter des Moskauer Stadtgerichts Wjatscheslaw Lebedew zu fünf Jahren Verbannung verurteilt. Swetow wurde unter anderem vorgeworfen “Lügen zu verbreiten, unschuldige Menschen würden in der Sowjetunion inhaftiert werden”.

Bereits vier Jahre zuvor wurden die Stadtwohnung und Datscha von Swetlow und seiner Ehefrau Soja Krachmalnikowa durchsucht, welche am nächsten Tag verhaftet und zu einem Jahr Haft und fünf Jahren Verbannung verurteilt worden ist. Die führende russische Menschenrechtsorganisation “Memorial” veröffentlichte entsprechende Dokumente auf ihrer Facebook-Seite .

Am 28. Februar 2017, also gut dreißig Jahre später geschieht in Moskau folgendes: Die Wohnung der Journalistin und Menschenrechtsaktivistion Soja Swetowa, der Tochter von Feliks Swetow und Soja Krachmalnikowa wird elf Stunden lang von Mitarbeitern des KGB-Nachfolgers FSB durchsucht. Der Vorwurf: Swetowa soll als Mitarbeiterin der Stiftung “Offenes Russland” des zehn Jahre lang inhaftierten Ölmagnaten und ex-Oligarchen Michail Chodorkowski an Geldwäsche beteiligt sein (in den letzten Jahren werden immer wieder Wohnungen von Mitarbeitern von “Offenes Russland” durcsucht, die ersten Ermittlungen begannen bereits 2003 mit der Verhaftung Chodorkowskis, der seit seiner Freilassung im Dezember 2013 in London lebt, da kurz darauf ein weiteres Verfahren gegen ihn eingeleitet wurde).  Die Durchsuchung bei Soja Swetowa stößt währenddessen auf ein breites Echo in Moskauer liberal-demokratischen Kreisen, viele Journalisten und Unterstützer versammeln sich vor Swetowas verschlossener Wohnung, während drinnen die Dursuchung läuft. So äußert der  sich der bekannte Dichter und Publizist Lew Rubinstein folgendermaßen zu den Vorwürfen gegen Swetowa:

“Ich habe so ein Geühl (und ich hoffe, dass es stimmt), dass sie sich an Soja die Zähne zerbrechen werden. Sie ist nicht so ein mensch, mit dem man so leicht…  sie hat auchВерховный суд schon schlimmere gesehen. Zu viele Menschen kennen sie, lieben und wertschätzen, wirklich sehr viele, sie persönlich und durch ihre Eltern und durch ihre Kinder […] Ich vermute, dass es so ein Prozess der Einschüchterung ist. […] Es ist heute beinahe schon Routine. Diese ganze Tätigkeit ist empörend, aber dass sie mit einer Durchsuchung zu einem in moralischer Hinsicht vollkommen reinem Menschen kommen, das ist natürlich zu viel.”

Währenddessen finden die FSB-Mitarbeiter in der Wohnung die von Swetowa aufbewahrten Dokumente und Protokolle des KGB, in denen ihre Eltern figurieren. Verwundert und amüsiert teilen die Geheimdienstler ihr mit, dass einige der KGB-Leute, dreißig Jahre nach den Prozessen gegen ihre Eltern immer noch im staatlichen Geheimdienst tätig sind.

Der am Anfang erwähnte Richter Lebedew ist ebenfalls nicht im Ruhestand: Seit 1989 ist er durchgehend Vorsitzender des Obersten Gerichtes, zunächst der Sowjetunion und ab 1991 der Russischen Föderation.